Erzgebirge

Das Erzgebirge hat gleich eine Vielzahl an Besonderheiten, weshalb es sich stark von anderen Mittelgebirgen in Deutschland unterscheidet. Zum einen ist schon die geologische Beschaffenheit ungewöhnlich, da es sich beim Erzgebirge um ein lang gezogenes Pultschollengebirge handelt, das nach Norden nur allmählich abfällt. Eine markante Berg- und Tallandschaft sucht man deshalb auf der deutschen Seite meist vergeblich und oft ist eigentlich nur am rauen Klima und der damit zusammenhängenden Vegetation sowie landwirtschaftlichen Nutzung die Höhe über dem Meeresspiegel ablesbar.

Gleichzeitig ist das Erzgebirge eine der ältesten und zugleich die im ausgehenden Mittelalter am intensivsten betriebene Bergbauregionen in Mitteleuropa, weshalb sich ab 1589 allmählich die heutige Bezeichnung für den Höhenzug durchsetzte. Überall trifft man auf Spuren und Hinterlassenschaften der heutzutage meist aufgelassenen Minen, die deshalb oft als Schaubergwerke und Museen für Gäste und Touristen erschlossen wurden. Aber auch Bergschäden, wie die riesige Altenberger Pinge, ein 1620 durch Einsturz unterirdischer Räume entstandener Trichter, zeugen von der einstigen Bergbautätigkeit. Bereits im 12. Jahrhundert wurden nachweisbar Silber- und Zinnerze gefördert, dem ab dem 17. und 18. Jahrhundert der Abbau von Cobalt, Uran und Kaolin folgte. Die Erzgewinnung, insbesondere die des Silbererzes, begründete wesentlich den einstigen Reichtum Sachsens und Böhmens. Oft wurde das Silber gleich vor Ort zu Münzen gepresst, wie z.B. der berühmte in Joachimsthal (heute Jáchymov in Tschechien) geprägte Joachimsthaler, aus dem später die international verbreitete Bezeichnung Taler (sogar in Arabien und Äthiopien) und davon abgeleitet der amerikanische Dollar entstand.

Doch nicht immer konnte der Bergbau die Bewohner auch ernähren. Schon nach dem Dreißigjährigen Krieg kam der Bergbau erstmals fast vollständig zum Erliegen. Zwangsweise mussten die Leute auf andere Erwerbszweige umsteigen. So entstand die Tradition der regionaltypischen Holzschnitzkunst, die heute nicht mehr wegzudenken ist. Aus dem Erzgebirge stammendes Holzspielzeug, aber ganz besonders die in der Weihnachtszeit aufgestellten Schwibbögen, Räuchermännchen, Weihnachtspyramiden, Engel und Bergmänner sind in ganz Deutschland zu sehen - doch hier am häufigsten, denn ein Schwibbogen darf zwischen Klingenthal und Altenberg in der Adventszeit in keinem Fenster fehlen.

Mit der meist bewaldeten und zum Teil über 1000 Meter hohen Kammlinie, aus der mehrere mit Aussichtstürmen ausgestattete Gipfel herausragen, den Berbbaustädten mit ihren zahlreichen technischen Denkmälern und den überall angebotenen Holzschnitzereien hat das Erzgebirge touristisch ein breites Spektrum zu bieten, das im Winter zudem durch die schneesicheren Höhen mit ihren vielen Wintersportangeboten auch viele Wintersportler anlockt.